Jimmie Higgins
Aus Markus NEMETZ
- Jimmie Higgins (Upton Sinclair)
- Erschienen 1919, gelesen in der Übersetzung von Hermynia zur Mühlen, in Upton Sinclair - Gesammelte Romane - Band 2, Der Malik-Verlag, Berlin 1924
- Online verfügbar: http://web.resist.ca/~nemesisa/sinclair-jimmie-higgins1.htm
- Inhalt:
- Protagonist dieses Romans ist Jimmie Higgins, der seine Kindheit in einem Waisenhaus verbracht hat und sich mit verschiedenen Arbeiten durchschlägt. Er ist geschickt, fleißig, aber auch ein überzeugter Sozialist und propagiert den Sozialismus, was ihm mehrmals den Job kostet (u.a. war er Maschinist). Zunächst lebt er mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in der Stadt und arbeitet in Fabriken und verschiedenen Geschäften - er wird auf einer Sitzung der sozialistischen Partei verhaftet und kommt für einige Zeit ins Gefängnis. Schließlich zieht er mit seiner Familie ins Land und arbeitet bei einem Farmer. Dies alles passiert (geschätzt - der Text liefert keine konkreten Jahresangaben) 1905-1912 in einer amerikanischen Großstadt.
- Am Land lebend entgeht Jimmie die Verfolgung der Sozialisten durch den Staat. Aber er bleibt weiter Sozialist und hätte wohl ein geruhsameres Leben geführt, wenn nicht der Erste Weltkrieg ausgebrochen wäre.
- Die Fabriken stellen auf Kriegswirtschaft um und stellen Munition her. Neben der Wohnstätte von Jamie Higgins führt eine Eisenbahnlinie, über die Munition transportiert wird. Jimmie Higgins ist in der Stadt, als ein Zug, mit Munition beladen, neben seiner Heimstätte explodiert und seine Frau und seine zwei Kinder in den Tod reißt.
- Im zweiten Drittel des Romans geht Jimmie Higgins auf Wanderschaft und arbeitet an verschiedenen Orten und sieht allenthalben die Verfolgung der Sozialisten. Schließlich kehrt er wieder in die Stadt zurück, wo er früher gearbeitet hat. Zur gleichen Zeit treten die USA auf der Seite der Entente in den Ersten Weltkrieg ein und Jimmie Higgins verpflichtet sich als Motorradmechaniker in Frankreich.
- Der dritte Teil des Romanes beginnt mit der Überfahrt nach Frankreich - das Schiff wird von einem deutschen U-Boot gestellt und versenkt. Jimmie überlebt und kommt nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt in England nach Frankreich, wo er in der Nähe der Marne bei einer Fahrzeugabteilung Reparaturen durchführt.
- In dieser Zeit starten die Deutschen die Marneschlacht und versuchen, auf Paris vorzustoßen. Im Zuge einer Botenfahrt zu einer Maschinengewehrstellung kommt Jimmie unbeabsichtigt an die Front bei Chateau Thierry und hält dort mit einem Revolver und einem Maschinengewehr die deutsche Offensive auf, bis die amerikanische Verstärkung kommt. Dabei wird er verwundet.
- Nach der Genesung wird er zum Feldwebel der Automobilabteilung ernannt und kommt nach England. Schließlich werden er und Automobilabteilung nach Archangelsk verlegt (Invasion der Ententemächte in das bolschewistische Russland), wo er mit den russischen Revolutionären im Berührung kommt. Er glaubt, im Sinen von Wilsons Friedensappelle zu handeln und agitiert gegen den Krieg, wird aber verhaftet.
- Er wird gefoltert - die Schilderungen der Folterungen sind sehr eindringlich. Jimmie Higgins gibt aber seine Genossen nicht preis und flüchtet in den Wahnsinn.
- Dieses Buch besteht aus zwei Teilen: Im ersten Teil erlebt Jimmie Higgins als Sozialist, wie die arbeitenden Menschen unterdrückt und in Armut gehalten werden (wie auch er selbst). Im zweiten Teil ist er Soldat und stellt seien sozialistischen Neigungen zunächst etwas zurück, bis er angesichts der russischen Revolution wieder von ihr erfasst wird. Deswegen wird er gefoltert und flüchtet in den Wahnsinn.
- Der erste Teil entspricht der Tradition der Muckracker-Romane, der zweite Teil ist eine Anklage gegen den Militarismus und die Folter. Gerade die Beschreibungen der Folterungen (sie sollen keine Spuren hinterlassen) sind angesichts der Ereignisse, wie sie in Der Luzifer-Effekt (Zimbardo) beschrieben sind, sehr aktuell.
- Ich selbst finde den Roman sehr handlungsreich und er nimmt auch konkret bezug auf historische Ereignisse, dennoch finde ich ihn etwas schwächer, denn die Komposition wirkt etwas unrund und ungleichmäßig (insbesondere die Zeitsprünge sind manchmal verwirrend). Aber umso greller und aktueller sind die Schilderungen der Folter im 26.Kapitel ("Jimmie Higgins findet sein Seele", S. 309ff.) und im 27. Kapitel ("Jimmie Higgins stimmt für die Revolution", S. 326ff.)
- Notabene: In 100 Prozent - Roman eines Patrioten beschattet der Protagonist die Sozialisten, und dabei kommt u.a. kurz Jimmie Higgins vor.
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11.01.2009
11.01.2009
