Bruno Traven
Aus Markus NEMETZ
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Allgemeine Daten
B. Traven (* 25. Februar 1882 in San Francisco oder 3. Mai 1890 in Chicago; † 26. März 1969 in Mexiko-Stadt) ist das Pseudonym eines deutschsprachigen Schriftstellers, der während seiner Hauptschaffensperiode in Mexiko lebte, und vor allem durch sozialkritische Abenteuerromane weltweit bekannt wurde, darunter als zwei seiner Bekanntesten: Das Totenschiff und Der Schatz der Sierra Madre.
B. Traven hat seine wahre Identität und Herkunft während seiner Schriftstellerkarriere stets verborgen gehalten. Zu den weiteren Pseudonymen, die dieser Person zugeordnet werden, zählen u. a. Traven Torsvan, Torsvan Croves, Hal Croves, Berick Torsvan. Er starb als mexikanischer Staatsbürger unter dem amtlichen Namen Bernhard Traven Torsvan, laut Papieren geboren am 25. Februar 1882 in „St. Francisco“.
Für weitere Informationen siehe den Wikipedia-Artikel zu Bruno Traven oder diese interessante Website.
Auf folgender Website sind einige Romane von Traven online verfügbar: http://web.resist.ca/~nemesisa/sitemap.htm.
Erhältliche Primärliteratur von Bruno Traven
Bruno Traven ist heute nicht mehr so "in" wie früher (ca. 1925-60) - damals wurden seine Werke in hoher Auflage gedruckt und man sieht oft auf Flohmärkten etc. Bücher von Bruno Traven. Hier muss jedoch angemerkt werden, dass viele dieser Bücher teilweise gekürzte Drucke sind (Büchergilde Gutenberg beispielsweise)! Eine authentische Lektüre ist nur mit den Taschenbüchern aus dem Diogenes-Verlag (detebe) möglich! Ganz selten tauchen auch die gesammelten Werke Travens in einem schönen Schuber auf - hier sollte man unbedingt zugreifen (ich selbst hatte das Glück, 2006 bei der Bücherbörse in der Wiener Stadthalle einen solchen Schuber zu erstehen)! :D
Warum ich Bruno Travens Romane gerne lese
Bruno Traven hat eines mit Stefan Zweig gemeinsam: Seine Sprache ist einfach, kristallklar, prägnant und dennoch niveauvoll. Wenn er dann und wann (wie Zweig) in Pathos oder Empathie gerät, so ist das genau richtig passend und den gewünschten Eindruck im Leser verstärkend. Eben diese einfache, klare Sprache stellt für mich eine Quelle der Entspannung dar, weshalb ich gerade nach stressvollen Tagen am liebsten Traven (und Zweig) lese.
Weiters schätze ich an Bruno Traven die drastische Sozialkritik, bei der es aber nicht bleibt. Traven ergründet die Hintergründe der Armut seiner Protagonosten - im grossen (Regierung, detebe 21104, hier online verfügbar) wie im kleinen (Die Carreta, detebe 21105, hier online verfügbar). Damit ist gemeint, dass er nicht vergisst, welche Autoritäten (und ihr System) an der allgemeinen Armut schuld sind sowie wie sich die Armut auf das Leben und Wirken der Protagonisten auswirkt.
Aber das sind keine Reportagen! Es sind wunderbare Geschichten voller Leben, und man fühlt, wie real Traven uns alles beschreibt. Dabei weist er auch in die Zukunft und zeigt, wie die Armen die Unterdrückung abzuschütteln versuchen, wenn die Last unerträglich wird (Die Rebellion der Gehenkten, detebe 21108, hier online verfügbar).
Eben die bestehende Hoffnung und die Möglichkeit, die Armut abzuschütteln, bedeuten für mich die schöne Katharsis - eben die Erkenntnis, dass die Befreiung von der Armut möglich ist. Die Sozialkritik ist kein Selbstzweck - die Dokumentation der sozialen Missstände ermöglicht erst die Befreiung.
Man könnte meinen, dass Traven überholt wäre, weil er die Armut der Indios, der Campesinos (Landlosen), der Caoba-Arbeiter (Mahagoni-Fäller), der Öl-Arbeiter ... schildert. Die Technik hat doch sicher einiges erleichtert ... Aber diese Sichtweise ist zu eng: Öl und Caoba werden trotz vieler neuer technischer Hilfsmittel immer noch unter unmenschlichen Bedingungen gewonnen und aus Lateinamerika erreichen uns laufend die Nachrichten von Aufständen der Campesinos und indigenen Völker.
Deteils zu Romanen Travens, die ich gelesen habe
Zyklen
Caoba-Zyklus
Unter dem Caoba-Baum versteht man den Baum, der das eisenharte Mahagoni-Holz liefert. Diese Bäume wachsen in den tiefsten Dschungeln Lateinamerikas und einer liefert oft mehr als 2 Tonnen Mahagoni-Holz. Zur Zeit Travens wurde Mahagoni aus sog. Monterias im Dschungel geschlägert und dann flussabwärts zu den Häfem geflößt.
Die Gewinnung des Mahagoni-Holzes geschieht in folgenden Etappen, und zu jeder Etappe hat Traven im Caoba-Zyklus einen Roman geschrieben:
- Gründung einer Monteria, damit verbunden: Genehmigungen, Konzessionen einholen, Infrastruktur schaffen - dies hat Traven im Romen Regierung (detebe 21104, hier online verfügbar) beschrieben
- Schaffung von überlebensnotwendigen Gütern zu den Monterias - beschrieben in Die Carreta (detebe 21105, hier online verfügbar). Unter "Carreta" versteht man die "Karren", auf denen die Güter transportiert wurden
- Ausbeutung des Dschungels, Akquirierung und Sklavenhaltung der indigenen Arbeiter - beschrieben in Der Marsch ins Reich der Caoba (detebe 21106, hier online verfügbar), Trozas (detebe 21107; Trozas sind die Mahagonistämme, die gefällt und mit Ochsen zum Fluss gezogen werden)
- Aufbegehren und Rebellion der indigenen Arbeiter in den Monterias - z.T. schon in Trozas (detebe 21107, hier online verfügbar) angeschnitten, Hauptthematik in Die Rebellion der Gehenkten (detebe 21108, hier online verfügbar), weitergeführt in Ein General kommt aus dem Dschungel (detebe 21109; hier online verfügbar, der Aufstand einer Monteria im Kontext der landesweiten Aufstände)
In Trozas (detebe 21107, 1983, S.91-92) hat Traven dazu geschrieben:
- Das Fördern der Caoba vollzieht sich in drei Hauptetappen.
- Die erste Etappe ist das Schlagen der Bäume. Ein Contratista überimmt dies auf eigene Rechnung und Gefahr, und mit eigenem Kapital. Er ist selbständtig wie ein unabhängiger Geschäftsmann. Er liefert die Stämme an die nächste Abschwemmstelle, wo ihm für jede Tonne zehn Pesos in Gold gezahlt werde, zuweilen etwas mehr, zuweilen etwas weniger, je nach dem Marktpreise des Holzes.[...]
- Die zweite Etappe ist das Abflößen der Stämme, eine Tätigkeit, die von den Oficinas aus geleitet [...] wird. Denn von dem Augenblick an, wo die Stämme am Flußufer aufgeschichtet sind, fertig zum Abflößen, kümmert sich der Contratista nicht mehr darum. Die Caoba gehört nun der Company.
- Die dritte Etappe sind Lagerungen und Verschiffung des Holzes [..]
Romane
Trozas
Bruno Travens 1936 veröffentlichter Roman Trozas (detebe 21107) hat die Ausbeutung des Dschungels, Akquirierung und Sklavenhaltung der indigenen Arbeiter zum Thema - dies beschreibt Traven anhand einer Monteria im Dschungel, welche bisher von einer "Caoba-Ausbeutungs-Company" 'relativ menschlich' (soweit man das sagen kann) betrieben wird. Diese Monteria wird nun von den Gebrüdern Montellanos übernommen, welche die indigenen Arbeitern mitleidlos schinden und unmenschlich bestrafen ("henken"), wenn das Soll nicht erfüllt wird. Für weitere Details siehe Trozas.
Der Roman ist hier online verfügbar.
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Letzte Änderung: 11.01.2009</p>
